Wie wird man eigentlich Golf-Trainer?

Es gibt im Golf diese sehr deutsche Vorstellung, dass ein Trainer erst dann ein richtiger Trainer ist, wenn er selbst ungefähr spielt wie eine Mischung aus Tour-Pro, Launch-Monitor und preußischer Exaktheit.

Also am besten Handicap nahe null, tadelloser Ballflug, ernster Blick und die Aura eines Mannes, der dir schon aus zwanzig Metern Entfernung sagen kann, warum dein rechter Ellenbogen dein Leben ruiniert.

Klingt eindrucksvoll. Ist aber, wie so oft im Golf, nur ein Teil der Wahrheit.

In unserer aktuellen Podcastfolge mit Oliver Neumann haben wir genau darüber gesprochen. Oliver ist Golftrainer-Ausbilder bei der PGA of Germany, Mit-Erfinder der Golf-Tracking-App bebrassie, Golf Performance Coach und Nationaltrainer. Und er hat ziemlich anschaulich erklärt, wie die Ausbildung von Golftrainern in Deutschland tatsächlich abläuft.

Die erste beruhigende Nachricht: Man muss kein Golf-Monster sein

Die vielleicht interessanteste Information zuerst: Der Weg in die Golflehrer-Ausbildung ist heute nicht mehr nur für die absolute Spielstärke-Elite gedacht.

Das ist natürlich kein Freifahrtschein für jeden ambitionierten Samstagsschläger. Aber es ist eben auch weit entfernt von der alten Fantasie, man müsse erst selbst wie ein halber Tourspieler durch die Gegend marschieren, bevor man anderen überhaupt erklären darf, warum sie ihre Chips regelmäßig in eine emotionale Grauzone spielen.

Spannend ist vor allem: Genau darüber spricht Oliver sehr offen. Also darüber, warum die Ausbildung heute anders gedacht wird als früher und weshalb man irgendwann gemerkt hat, dass reine Eigenleistung eben nicht das einzige Kriterium sein kann.

Denn sonst verliert man womöglich genau die Leute, die vielleicht nicht die allerbeste eigene Spielstärke mitbringen, aber dafür andere Qualitäten, die im Trainerberuf mindestens genauso wichtig sind:

  • Empathie
  • methodisches Geschick
  • die Fähigkeit, Menschen wirklich etwas beizubringen
  • ein gutes Gefühl für Bewegung, Lernen und Kommunikation

Das ist, ehrlich gesagt, ziemlich vernünftig.

Denn ein guter Trainer ist eben nicht automatisch einfach nur ein guter Spieler mit Polohemd.

Golftrainer sein heißt nicht nur: selbst schön schlagen

Das ist ja ohnehin eine der liebenswerten Golf-Illusionen: dass derjenige mit dem besten Ballflug automatisch auch der beste Erklärer sein müsse.

Muss er nicht.

Jeder, der schon mal Unterricht hatte, weiß das eigentlich. Es gibt Leute, die können fantastisch Golf spielen und erklären dir anschließend deinen Fehler so, als würdest du gerade gemeinsam mit ihnen einen Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen.

Und es gibt Trainer, die sehen etwas, sagen zwei einfache Sätze, geben dir eine brauchbare Übung und plötzlich fühlt sich dein Schwung nicht mehr an wie ein handwerklicher Betriebsunfall.

Genau deshalb ist es logisch, die Ausbildung nicht nur über pure Spielstärke zu definieren.

Oliver beschreibt das ziemlich klar: Natürlich hilft es, gut Golf zu spielen. Aber das allein macht noch keinen guten Trainer.

Ganz ohne Leistung geht es trotzdem nicht

Jetzt kommt allerdings der Teil, der wichtig ist für alle, die schon innerlich dachten: Wunderbar, dann werde ich mit meiner stabilen 18,7 eben jetzt auch Coach.

So leicht ist es dann doch nicht.

Denn im Verlauf der Ausbildung muss die eigene Spielstärke natürlich weiter verbessert werden.

Oliver erklärt im Podcast auch ziemlich klar, dass es eben keine weichgespülte Wohlfühlausbildung ist. Es gibt klare spielerische Anforderungen, Prüfungen und Leistungsnachweise. Also nicht einfach nur ein bisschen Methodik, ein paar schöne Worte und dann ab auf die Driving Range als neuer Guru der Gegenwart.

Mit anderen Worten: Die Tür ist heute etwas weiter offen als früher. Aber ein gemütlicher Spaziergang ist die Ausbildung deshalb noch lange nicht. Wie genau das geregelt ist, erzählt Oliver in der Folge selbst deutlich präziser und interessanter, als man es in einem Begleittext sinnvoll nacherzählen könnte.

Die Ausbildung ist kein Schnellkurs

Auch das fand ich interessant, weil es eben nicht nach Wochenendseminar mit Zertifikat klingt.

Die Ausbildung ist mehrstufig aufgebaut, dauert mehrere Jahre und entwickelt sich von den Grundlagen des Unterrichtens bis in Bereiche hinein, in denen es um deutlich mehr geht als nur das Korrigieren eines zu offenen Schlägerblatts bei Hobbygolfern an einem windigen Dienstagabend.

Also: erst Fundament, dann mehr Verantwortung, dann mehr Komplexität.

Genau da merkt man dann auch: Wir reden hier nicht über ein kleines Golf-Nebenhobby mit Namensschild, sondern über einen ziemlich anspruchsvollen Ausbildungsweg.

Warum ich diesen Ansatz ziemlich gut finde

Was mir daran gefällt: Das Ganze wirkt weder elitär verschlossen noch beliebig geöffnet.

Also weder das alte Golfprinzip:

  • Nur wer selbst fast unverschämt gut spielt, darf überhaupt rein

Noch die gegenteilige Wohlfühlidee:

  • Hauptsache nett, Hauptsache motiviert, den Rest regelt dann schon das Universum

Stattdessen klingt es eher nach einer ziemlich gesunden Mischung aus Zugang und Qualitätskontrolle.

Du musst gut genug sein, um das Spiel ernsthaft zu beherrschen.

Aber du musst eben auch mehr mitbringen als nur eigene Schlagqualität.

Und genau das dürfte am Ende sogar den Schülern helfen. Denn die meisten Golfer brauchen keinen Halbgott mit Launch-Angle-Aura. Sie brauchen jemanden, der versteht, warum sie gerade machen, was sie machen, und wie man sie da sinnvoll wieder herausbekommt.

Fazit

Wie wird man also Golf-Trainer?

Nicht, indem man einfach nur selbst gut Golf spielt.

Sondern indem man eine mehrjährige Ausbildung durchläuft, spielerisch ein klares Niveau nachweist und gleichzeitig die Qualitäten mitbringt, die im echten Unterricht zählen: Empathie, Methodik, Kommunikation und die Fähigkeit, Entwicklung bei anderen auszulösen.

Die vielleicht schönste Pointe an Olivers Erklärung ist deshalb: Die PGA of Germany hat die Eingangshürde nicht gesenkt, weil Golf plötzlich egal geworden wäre. Sondern weil man verstanden hat, dass ein guter Trainer mehr sein muss als ein guter Ballstriker.

Und das ist, für einen Sport, der sich gern in reiner Leistungseitelkeit spiegelt, fast schon erstaunlich klug.

Wenn ihr wissen wollt, wie das im Detail aussieht, dann hört euch die Folge an. Genau dafür ist sie da.