Netflix hat „Full Swing“ mit Staffel 4 zurück auf den Bildschirm gebracht – und für Golf-Fans ist das natürlich erstmal Pflichtprogramm. Seit dem 17. April ist die neue Staffel online. Diesmal ist der Zuschnitt allerdings deutlich enger als in den Vorjahren: Statt einer breiten Saisonerzählung gibt es nur vier Episoden, und die setzen ihren Schwerpunkt klar auf die US-Perspektive, den Ryder Cup und die Frage, wer sich in Richtung Team USA und große Bühne schiebt.
Der Auftakt heißt „Unfinished Business“ und nimmt sich das Masters vor – mit Rory McIlroy und Justin Rose im direkten Fokus. Klingt erstmal nach ganz großem Golfkino, wirkt aber nicht wie die ganz große Augusta-Erzählung, die viele erwartet hatten. Spätestens ab Folge zwei wird klar, wohin Staffel 4 wirklich will: Keegan Bradley, Ryder-Cup-Aufladung, US-Team-Dynamik. Folge zwei begleitet J. J. Spaun, Ben Griffin und Maverick McNealy bei ihrem Versuch, sich Richtung Team USA zu spielen. Folge drei rückt Tommy Fleetwood und Cameron Young in den Mittelpunkt, ehe Folge vier komplett auf Bethpage Black und den Ryder Cup zusteuert.
Genau daran scheiden sich gerade die Geister. Die ersten Reaktionen fallen eher gemischt bis kritisch aus. Ein wiederkehrender Punkt: Vier Episoden seien schlicht zu wenig für ein Golfjahr, das eigentlich viel mehr Stoff hergegeben hätte. Mehrere Zuschauer kritisieren, dass große Namen und große Momente zu kurz kommen, während sich die Staffel sehr stark an der Keegan-Bradley-/Ryder-Cup-Linie festbeißt. Auch der Vorwurf, zwei der vier Majors würden letztlich kaum Gewicht bekommen, taucht mehrfach auf.
Ganz unberechtigt ist das nicht. Wer „Full Swing“ vor allem deshalb mochte, weil die Serie aus dem Turnierkalender immer wieder unerwartete Nebenfiguren, schräge Biografien und emotionale Bruchstellen herausgezogen hat, bekommt in Staffel 4 weniger davon. Die neue Runde wirkt straffer, zielgerichteter – aber eben auch schmaler. Weniger Atem, weniger Nebenpfade, weniger Raum für das, was den Golfsport jenseits von Leaderboards oft erst interessant macht.
Trotzdem: langweilig ist das nicht. Wer den Mix aus Inside-Zugang, Drucksituationen und Nahaufnahme mag, wird auch diese Staffel wegsuchten. Gerade die Ryder-Cup-Aufladung, die Auswahlkämpfe und das ständige Ringen zwischen Erwartung und Wirklichkeit funktionieren als Serienmotor weiterhin gut. „Full Swing“ bleibt stark, wenn man Gesichter, Körpersprache, Nervosität und Fallhöhe sehen will – also genau das, was Golf im Fernsehen oft nur unvollständig transportiert.
Für uns bei Fairwayfreunde ist deshalb das Fazit relativ klar: Staffel 4 ist sehenswert, aber nicht die rundeste Staffel der Reihe. Wer auf ein großes Porträt der gesamten Golfsaison 2025 gehofft hat, dürfte etwas unterfüttert zurückbleiben. Wer dagegen eine kompakte, emotional zugespitzte Staffel mit starkem Fokus auf Ryder-Cup-Dramatik und US-Teamfragen sucht, bekommt genau das.
Unser Urteil: anschauen – aber die Erwartung leicht justieren. Weniger Panorama, mehr Verdichtung. Weniger Golfwelt, mehr Team-USA-Spannung. Und genau darin liegt diesmal zugleich die Stärke und die Schwäche von „Full Swing“.

