Woran erkenne ich einen guten Golfplatz?

Woran erkenne ich einen guten Golfplatz?
Auf dem Fairway der Bahn 5 Golfclub Oberalster

Für den Nicht-Golfer sieht ein Golfplatz einfach nur nach viel Rasen, ein paar Bäumen und kleinen Fahnen aus. Wer aber öfter auf dem Platz unterwegs ist, merkt schnell: Ein Golfplatz ist ein ziemlich genau gebautes Spielfeld mit klarer Dramaturgie.

Er soll spielbar sein, aber nicht zu leicht. Er soll schön aussehen, aber nicht nur Kulisse sein. Und er soll Golfer mit ganz unterschiedlichen Spielstärken fordern.

Ein Golfplatz ist kein Park mit Löchern

Ein klassischer 18-Loch-Golfplatz besteht aus 18 einzelnen Spielbahnen. Jede Bahn beginnt auf dem Abschlag, führt über Fairway, Semirough und Rough Richtung Grün und wird meist durch Bunker, Wasser, Hügel, Bäume oder andere Hindernisse verteidigt.

Die Grundidee ist simpel: Der Ball soll mit möglichst wenigen Schlägen vom Abschlag ins Loch.

Damit das vergleichbar bleibt, hat jedes Loch einen Par-Wert. Das ist die Zahl, in der ein sehr guter Spieler das Loch theoretisch spielen sollte.

Typisch sind:

  • Par 3: meist ein Schlag aufs Grün, dann zwei Putts
  • Par 4: Abschlag, Annäherung, zwei Putts
  • Par 5: Abschlag, zweiter Schlag, dritter Schlag aufs Grün, zwei Putts

Auf einem Standard-18-Loch-Platz ist Par 72 sehr häufig. Das bedeutet oft:

  • 4 Par-3-Löcher
  • 10 Par-4-Löcher
  • 4 Par-5-Löcher

Es gibt aber auch Plätze mit Par 70 oder Par 71. Und natürlich gibt es Anlagen, die bewusst kürzer, kompakter oder sportlich extremer gebaut sind.

Wie lang ist ein normaler Golfplatz?

Die Länge eines Golfplatzes hängt immer davon ab, von welchen Abschlägen gespielt wird.

Für Herren liegt ein typischer 18-Loch-Platz in Norddeutschland von den gelben Abschlägen oft irgendwo bei rund 6.000 Metern. Viele Plätze bewegen sich grob zwischen 5.800 und 6.300 Metern. Es gibt aber genauso Anlagen, die deutlich kürzer sind – und Meisterschaftsplätze, die spürbar länger ausfallen.

Für Damen liegen die roten Abschläge häufig eher im Bereich von etwa 5.100 bis 5.500 Metern.

Wichtig ist: Länge allein sagt noch nicht, wie schwer ein Platz wirklich ist. 6.000 Meter mit breiten Fairways und offenen Grüns können angenehm spielbar sein. 5.700 Meter mit Wind, Wasser, harten Grüns und schmalen Landebereichen können dagegen richtig unangenehm werden.

Wodurch wird ein Golfplatz schwierig?

Die Schwierigkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren:

  • Länge der Löcher
  • Breite der Fairways
  • Lage und Tiefe der Bunker
  • Wasserhindernisse
  • Dichte und Höhe des Roughs
  • Größe und Neigung der Grüns
  • Windanfälligkeit
  • Härte des Bodens
  • Schräglagen im Gelände

Daraus ergeben sich dann Course Rating und Slope Rating. Genauer gesagt schickt der Deutsche Golf Verband (DGV) dafür die sogenannten Golfplatz-Rater vorbei. Das ist ein Teams (meist 3-4 Personen), die als Lizenznehmer der USGA (United States Golf Association) Golfanlagen bewerten dürfen. Damit wird eingeschätzt, wie anspruchsvoll ein Platz für sehr gute Spieler und für Bogeygolfer ist. Zwei Plätze mit identischem Par 72 können sich deshalb völlig unterschiedlich spielen. Ohne offizielles Rating sind auf einem Golfplatz keine Handicap-relevanten Runden spielbar.

Im Hamburger Raum ist der 9-Lochplatz in Quickborn beispielsweise eine der leichtesten Plätze:

  • Par 29 Schläge für 9 Loch
  • Gesamtlänge 1.432 Meter
  • Course Rating 28,5
  • Slope Rating 92

Der Nord Course von Green Eagle ist von den Black Tees dagegen der vermutlich schwerste Platz Deutschlands:

  • Par 73 für 18 Loch
  • Gesamtlänge 7.057 Meter
  • Course Rating 78,5
  • Slope Rating 151

Kurz: In Quickborn ärgere ich mich, wenn ich für zweimal 9-Loch mehr als 70 Schläge brauche. Auf dem Nordkurs würde ich nie im Leben von den Black Tees spielen, aber wenn dann wäre ein Score von unter 100 ein Traum.

Wie sieht ein Standardplatz in Norddeutschland aus?

Ein typischer Golfplatz in Norddeutschland ist meistens ein Parkland- oder Geest-/Marschplatz. Er ist oft relativ offen angelegt, manchmal leicht wellig, eher selten spektakulär bergig und häufig stark vom Wind geprägt.

Typische Merkmale sind:

  • 18 Löcher
  • für Herren meist um 6.000 Meter, oft Par 72
  • viele Par 4 im Bereich von ungefähr 300 bis 370 Metern
  • Par 3 oft zwischen 130 und 180 Metern
  • Par 5 häufig zwischen 430 und 500 Metern
  • ordentliche, aber meist nicht riesige Höhenunterschiede
  • Bunker eher strategisch als brutal spektakulär
  • Gräben, Wasserläufe oder Teiche als typische Gefahren
  • Wind als dauernder Mitspieler

Oft gibt es zwei oder drei Par-4, die wirklich nur für Scratchgolfer Par zu spielen sind. Entweder, weil sie sehr lang oder sehr schwierig oder beides sind.

Norddeutsche Plätze wirken oft etwas ehrlicher als dramatisch. Sie wollen nicht immer beeindrucken, sondern prüfen, ob man den Ball solide ins Spiel bringt. Wer auf solchen Plätzen sauber abschlägt und den Ball kontrolliert fliegt, kommt oft gut zurecht. Wer permanent schief ist, sammelt schnell Probleme ein.

Die Grüns sind auf vielen Anlagen mittelgroß. Häufig liegt die Fläche ungefähr irgendwo zwischen 450 und 700 Quadratmetern, je nach Platzstil auch mehr oder weniger. Kleinere, ältere Plätze haben teils kompaktere Grüns, moderne Resortanlagen manchmal etwas großzügigere Zielbereiche.

Und wie sieht ein Standardplatz in England aus?

Bei England wird es spannend, weil es dort eigentlich nicht den einen Standardplatz gibt. England ist golfhistorisch extrem vielfältig. Trotzdem haben viele deutsche Golfer bei „englischem Golfplatz“ sofort ein bestimmtes Bild im Kopf: Linksland.

Also Plätze nahe der Küste, auf sandigem Boden, mit wenig Bäumen, viel Wind, welligem Untergrund und einem Spiel, das deutlich mehr über den Boden läuft.

Typische Merkmale englischer Plätze – vor allem linksähnlicher oder klassischer traditioneller Anlagen – sind:

  • oft festerer, trockenerer Untergrund
  • deutlich mehr Wind-Einfluss
  • weniger Bäume als auf vielen deutschen Parkland-Plätzen
  • mehr natürliche Bodenwellen
  • tiefere, härtere Bunker
  • ein Spiel, bei dem Roll, Bounce und Bodenkontakt viel wichtiger sind

Ein englischer Platz muss gar nicht extrem lang sein, um schwer zu sein. Selbst bei moderaten Längen kann er brutal anspruchsvoll werden, wenn der Wind steht, die Fairways hart sind und die Grüns klein oder stark verteidigt sind.

Außerdem sind viele klassische britische Plätze architektonisch sehr klar: Das Loch sieht oft einfacher aus, als es spielt. Die falsche Seite des Fairways kann dort deutlich mehr Strafe kosten als auf vielen kontinentaleuropäischen Anlagen.

Und wie ist es oft in Spanien?

Spanische Golfplätze haben ebenfalls kein einheitliches Gesicht, aber viele deutsche Golfer kennen vor allem zwei Typen:

  • Resort-Plätze
  • trockene, windige Küsten- oder Inlandplätze

Was in Spanien oft auffällt, ist der stärkere Kontrast zwischen gepflegten Spielflächen und trockener Umgebung. Das Fairway ist klar definiert, daneben wird es schnell härter, staubiger oder buschiger. Der Ball springt anders, rollt mehr und kleine Fehler können unangenehm werden.

Typische Merkmale vieler spanischer Plätze sind:

  • trockener, fester Boden
  • mehr Roll nach der Landung
  • stärker sichtbare Bewässerung der Spielflächen
  • oft palmenartige, mediterrane oder karge Vegetation
  • Wasserhindernisse häufiger als Design-Element auf Resortplätzen
  • Sommerbedingungen, die Distanzen und Ballflug spürbar verändern

Auf manchen spanischen Plätzen wirkt alles optisch großzügig, aber strategisch ist es trotzdem eng. Ein Fairway kann breit aussehen und trotzdem genau an der falschen Stelle durch Wasser, Waste Area oder Bunker eingeschnürt sein. Dazu kommen Hitze, trockene Luft und oft ungewohnte Grünschwindigkeiten.

Was macht einen Golfplatz am Ende „gut“?

Ein guter Golfplatz ist nicht einfach nur lang oder schön. Er gibt dem Spieler Entscheidungen.

Er belohnt gute Schläge, verzeiht aber nicht alles. Er bietet dem Longhitter Chancen, ohne den präzisen Spieler zu bestrafen. Und er funktioniert idealerweise für den Single-Handicapper genauso wie für den Freizeitgolfer.

Deshalb ist ein Golfplatz immer auch ein Charaktertest.

Der eine Platz fragt: Kannst du den Ball im Wind flach halten? Der nächste fragt: Kannst du die richtige Seite des Fairways treffen? Und der nächste fragt einfach nur: Bleibst du geduldig, wenn es heute nicht perfekt läuft?

Fazit

Ein Golfplatz ist viel mehr als eine Wiese mit 18 Löchern. Er ist ein gebautes Spielsystem aus Länge, Strategie, Gelände, Wind, Boden und Zielzonen.

Ein typischer Platz in Norddeutschland liegt für Herren oft um die 6.000 Meter, meist als Par 72, häufig mit 4 Par 3, 10 Par 4 und 4 Par 5. Dazu kommen mittelgroße Grüns, strategische Bunker, Wasserhindernisse und fast immer der Faktor Wind.

In England wird Golf oft rauer, natürlicher und bodennäher. In Spanien trockener, härter und klimatisch ganz anders.

Und genau das ist ja das Schöne an diesem Sport: Formal ist ein Golfplatz überall dasselbe. In Wirklichkeit fühlt er sich fast überall komplett anders an.